Backnang Facebook-Party soll ein Nachspiel haben

Von  

Allein die Personalkosten für den Großeinsatz der Polizei bei der Facebook-Party in Backnang werden auf mehr als 100.000 Euro geschätzt. Jetzt wird nach den Verantwortlichen gefahndet.

Mit Spaß hat die Party für die Polizei wenig zu tun gehabt. Foto: Gottfried Stoppel 58 Bilder
Mit Spaß hat die Party für die Polizei wenig zu tun gehabt.Foto: Gottfried Stoppel

Backnang - Die Facebook-Party am Wochenende in Backnang soll ein Nachspiel haben. Wie berichtet, hatten sich am Samstagabend rund 1000 Jugendliche am Bahnhof getroffen und waren trotz eines Verbots der Stadt in Richtung des verabredeten Treffpunkts, ein Grillplatz im örtlichen Plattenwald, gezogen. Angesagt hatten sich über die Internetplattform mehr als 20.000 Partygäste. Zwar hat ein Großaufgebot von Polizei, Ordnungs- und Rettungskräften eine Eskalation des Treffens von zum Teil stark alkoholisierten Jugendlichen verhindert, doch genau dieser Aufwand soll den Verursachern jetzt in Rechnung gestellt werden. Eine genaue Kalkulation gibt es noch nicht, doch der Waiblinger Polizeisprecher Klaus Hinderer ist sicher, dass unter dem Strich eine Eurozahl „jenseits der 100.000“ stehen wird. Allein die Polizei hatte gut 300 Kräfte bereitgehalten.

Noch ist jener Anonymus nicht identifiziert, der unter dem Pseudonym „Project X Stuttgart“ auch noch für die Massenparty geworben hatte, als diese per Allgemeinverfügung von der Stadt Backnang längst untersagt worden war. Doch die Polizei ist „guter Dinge“, dass man ihm auf die Schliche kommen wird. Ein Ermittlungsersuchen in die USA, wo Facebook die Nutzerdaten gespeichert hat, ist gestellt. Die Waiblinger Polizeidirektion hat nach dem Amoklauf von Winnenden bereits Erfahrung mit derlei Verfahren gemacht. Inwieweit der Verursacher dann tatsächlich in Regress genommen werden kann, müsse freilich noch geprüft werden.

16 Straftaten angezeigt

Im Vergleich zu dem, was zu befürchten war, klingt die Schadensbilanz nach der Party, die auch durch ein heftiges Unwetter gegen 21 Uhr abrupt beendet wurde, noch recht harmlos. Insgesamt 16 Straftaten wurden bisher angezeigt, vier Körperverletzungen und zwölf Sachbeschädigungen. Der materielle Gesamtschaden der gemeldeten Vorfälle liegt bei etwa 2000 Euro.

Klaus Hinderer ist ein erfahrener Polizeibeamter. Doch eine solche Veranstaltung hat er zum ersten Mal erleben müssen. Natürlich sei die Altersgruppe schon lange nicht mehr seine Generation, aber er sei doch ein wenig entsetzt gewesen, wie stark die Teenager zum Teil angetrunken gewesen seien. Ein Kollege vom Backnanger Revier bekam dies bei einer vorübergehenden Festnahme unangenehm zu spüren. Statt Antwort zu geben, habe sich ein Jugendlicher bei seiner Vernehmung völlig unkontrolliert übergeben.

Während die Partypropageure noch am selben Abend überlegten, eine Wiederauflage am gleichen Ort – Arbeitstitel Backnang-2.0 – zu initiieren, haben sie ihre Seite am Dienstag doch lieber aus dem Verkehr gezogen. Geblieben vom „Project X Plattenwald“ ist in Facebook derweil eine knapp 70-köpfige Gruppe, die zusammengeführt hat, nicht dabei gewesen zu sein – und in der Mehrheit auch froh darüber zu sein scheint. Ein Eintrag von Esther: „Ich möchte keine dieser Jugendlichen sein, die unsere Generation, ich sag jetzt einfach mal etwas krass‚ in den Dreck zieht’“.

  Artikel teilen
34 KommentareKommentar schreiben

Hass regiert, der Mob schreit Rache: Kommt mal bitte runter ihr Schrei(b)er der Verbote und Bestrafung: Was bitte soll passieren: 2 Jugendlichen, die sich einen SCHERZ erlaubt haben, wollt ihr 145000 Euro Strafe aufdrücken? JA GEHT'S NOCH - die beiden können sich doch gleich erschießen! Was haben die noch von ihrem Leben? Und weswegen? Wegen 2 umgetretener Rosen und drei kaputten Bierflaschen? Ja ich glaub es hakt gewaltig hier in den Dachkammern im Süden. Endlich mal ein paar OPFER, auf die man sich mit Sabber in den Mundwinkeln stürzen kann - das ist so erbärmlich, im MIttelalter sind Leute wie ihr geifernd bei jeder Hinrichtung gestanden und haben Jubelchöre angestimmt und den Henker angefeuert. ------------ Einfach nur WIDERLICH. Aber da ist anscheinend alles zu spät - die eigene Jugend bereits lange vergessen, heute gibt es nur noch PFLICHT und STRAFE. Desillusioniert, spaßbefreit, rachsüchtig. Und die Presse feuert euch auch noch an, wie krank.---------- Beschäftigt sich vielleicht einer mit den Motiven der Jugend oder mit ihren Problemen? Aber nicht doch, lieber dumpfen Hass schüren, das gefällt den meisten Lesern hier offensichtlich. Dass diese Jugendlichen eure eigenen Kinder sein könnten, wird halt mal vorübergehend ausgeblendet.

Richtig so!: Sollen doch ruhig mal ein paar derjenigen die doch 'nur Spaß haben wollen' und zwar immer auf Kosten anderer - so richtig die Konsequenzen dafür tragen. Ich kann die Leier von den armen Jugendlichen nicht mehr hören. Zu meiner Zeit herrschte auch Lehrstellenmangel, unsere Eltern haben uns mit der Suche nach einem Ausbildungsplatz auch mehr oder weniger hängen lassen und das Freizeitangebot war gleich Null. Bei uns fuhr noch nicht mal ein Bus - um wenigstens in das nächstgrößere Kaff zu kommen. Wir hatten auch kein Handy und kein Internet um immer und überall mit Gleichgesinnten kommunizieren zu können. Und trotzdem sind wir nicht ständig mit Sixpacks bewaffnet durch die Gegend gepöpelt und haben uns mit Vorliebe an illegalen Aktionen beteiligt. Mag sein, dass dieses Phänomen Facebook und die dazugehörigen Partys eine Umstand unserer heutigen Gesellschaft sind - trotzdem muss sich jeder auch immer wieder an seiner eigenen Nase fassen und für sich selbst entscheiden was richtig oder falsch ist - Sinn macht oder einfach nur stumpfsinnig ist. Verantwortung für sich und andere zu übernehmen ist den meisten Teilnehmern dieser Bewegung leider offensichtlich völlig fremd. Und da Verbote bzw. andere Negativbeispiele aus der Vergangenheit die Jugendlichen offensichtlich nicht von einer Teilnahme an diesen sogenannten Partys abhalten bzw. Ihnen das völlig wurschd ist - muss der Staat bedauerlichweise offensichtlich andere Maßnahmen ergreifen.

@stuttgarter: Nett gemeinte Vorschläge von Ihnen, so haben wir das früher auch gehandhabt. Haben unsere Angelegenheiten selbst in die Hand genommen und Freiräume geschaffen. Dies bedeutete harte Arbeit und zähe Verhandlungen mit der Stadt. Dazu braucht es Engagement. Aber der Großteil der jetzigen Jugendlichen bekommt ja für nichts seinen Ar... hoch außer zum Shoppen und Posen. Aber dann brauch man sich auch nicht beschweren.

Veranstalter: Hallo liebe Veranstalter solcher MEGA-Parties, eine sechsstellige Strafe wird doch bei über 20.000 Facebook-Freunden keine Problem sein. Gemeinsames Fest = gemeinsame Kosten ! Oder für was sind Freunde sonst da ?????

Stuttgarter Stadtfest: also unter dem Aspekt der Sicherheit dürfte es z.B. in Stuttgart kein Stadtfest im Schloßgarten geben. Nur dort verdienen sich eben u.a. die Stadt eine goldene Nase, da interessiert niemanden fehlende Toilettenkapazitäten, Lärm, Abfall, ganz zu schweigen von der Sicherheit. Beim letzten Fest, und da war abends so voll, dass gar nix mehr ging, brauchten Sanis fast 15Minuten bis sie an Ort und Stelle waren da kein Durchkommen möglich.

Artikel kommentieren

Melden Sie sich jetzt an!
Um Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich. Sie müssen dabei Ihren Namen sowie eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben. Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt. Alternativ können Sie sich mit Ihrem Facebook-Account anmelden.