VfB Stuttgart Der Altmeister soll’s machen

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Beim VfB Stuttgart deutet alles darauf hin, dass Armin Veh wieder Trainer wird. Veh hat den Kontakt zum VfB Stuttgart immer gehalten. Doch beim Fußball-Bundesligisten gibt es auch Vorbehalte gegen den Meistermacher von 2007.

Richtet sich der Blick wieder Richtung Stuttgart? Armin Veh verlässt Frankfurt und wird aller Voraussicht nach der neue VfB-Trainer. Foto: dpa
Richtet sich der Blick wieder Richtung Stuttgart? Armin Veh verlässt Frankfurt und wird aller Voraussicht nach der neue VfB-Trainer.Foto: dpa

Stuttgart - Der Weg in die Zukunft führt den VfB Stuttgart erst einmal zurück in die Vergangenheit. So gut wie alles deutet darauf hin, dass Armin Veh neuer Trainer des Bundesligisten wird. Und das Besondere an diesem 53-jährigen Fußballlehrer ist ja, dass er schon einmal da war. Als Meistermacher 2007 ist Veh eineinhalb Jahre später gegangen. Wenn man es sich aber recht überlegt, dann ist der gebürtige Augsburger emotional nie ganz weg gewesen. Auf keiner seiner Stationen danach in Wolfsburg, Hamburg oder zuletzt in Frankfurt. Veh hat den Kontakt zum VfB Stuttgart immer gehalten.

Jetzt kehrt er wohl zurück und der Blick auf den alten-neuen Coach ist bei vielen im Club verklärt. Veh ist mit seiner lockeren, charismatischen Art noch immer beliebt beim VfB. Auch der Vereinspräsident Bernd Wahler, damals noch in der Sportartikelbranche tätig, soll Vehs Persönlichkeit schnell zu schätzen gelernt haben. Mit dem Coach verbindet sich aber nicht nur die Hoffnung, dass die Laune steigt. Er soll eine Mannschaft, die Huub Stevens aufgerichtet hat, weiter stabilisieren und auf ein höheres Niveau hieven. Er soll ihr wieder frischeren, offensiveren Fußball vermitteln. Veh-Fußball. Mit dieser schnellen Art des Kombinierens ist Eintracht Frankfurt wieder in die Bundesliga aufgestiegen, hat es gleich in die Europa League geschafft und im dritten Jahr zumindest die Klasse gehalten.

Vehs personelle Irrtümer

Allerdings bringt ein zweiter, etwas ungetrübterer Blick auf die Ära Veh auch wieder zum Vorschein, dass mit ihm und dem damaligen Manager Horst Heldt einige der teuersten personellen Irrtümer verbunden sind: Bastürk, Ewerthon, Marica. Größere Bedenken löste beim VfB aber wohl die Erinnerung an Vehs Krisenmanagement gegen Ende seiner Amtszeit aus. Er ließ es einfach. So, wie er es in den guten Zeiten auch auf geniale Weise hatte laufen lassen.

Die Frage, die über der sehr wahrscheinlichen Liaison VfB/Veh grundsätzlich schwebt, lautet jedoch, ob es sich um eine aufgewärmte alte Liebe handelt oder um eine neue Leidenschaft. Die Antwort können nur Veh oder der VfB liefern. Veh sagt nach dem 1:2 mit Frankfurt beim FC Augsburg aber nur: „Ich werde zeitnah eine Entscheidung treffen – was auch immer das heißen soll.“ Veh sagt das mit einem süffisanten Lächeln. So eines wie er auch früher immer in seinem meist unrasierten Gesicht hatte, wenn er mehr wusste, als er sagen konnte. Beim VfB sagt der Manager Fredi Bobic nach dem 0:1 in München: „Wir werden zeitnah eine Entscheidung verkünden.“

Wann genau die berühmte Tinte unter dem Vertrag trocken sein wird, wagt beim VfB keiner zu sagen. Heute? Morgen? Bis in die nächste Woche soll sich die Trainerangelegenheit jedenfalls nicht ziehen, da auch die weitere Saisonplanung davon abhängt. Dann werden Bobic und voraussichtlich Veh erstmals miteinander kooperieren müssen. Zwei Alphatiere, die sich beide nicht gerne in ihre Kernkompetenzen hineinreden lassen. Zwei Typen auch, die keinen Konflikt scheuen. Und von Veh ist nicht nur aus seiner Frankfurter Zeit bekannt, dass er öffentlich gerne nach Spielern ruft, wenn es nicht so läuft, wie er will. Von Bobic weiß man, dass er seit 2010 vor allem den Personaletat herunterfahren musste und ihm zuletzt ein Großteil der verfehlten Transferpolitik angelastet wird.

Tuchel spukt immer noch in den Köpfen herum

Nun soll alles besser werden. „Die neue Saison bietet eine große Chance“, sagt Bobic. Schlimmer als der 15. Tabellenplatz mit mauen 32 Punkten kann es auch kaum kommen. Die Deutsche Presseagentur sah sich am Sonntag sogar veranlasst, eine Chronologie der VfB-Tiefpunkte in der gerade abgelaufenen Saison zu liefern: mit zwei Trainerentlassungen und dem Negativrekord von acht Niederlagen nacheinander.

Vorbei. Nach vorne schauen. Sich wieder nach oben arbeiten. So stellen sie sich das beim VfB vor. Doch Wunsch und Wirklichkeit klaffen so weit auseinander, dass in der Führung zwar einerseits an der besten aktuell umsetzbaren Traineroption mit Veh gearbeitet wird. Andererseits kreisen die Gedanken weiter um die vermeintliche 1-A-Lösung für die Zukunft: Thomas Tuchel. In einem Jahr vielleicht. Und dann womöglich mit einem Armin Veh in neuer Funktion – als Stuttgarter Sportdirektor.