Kommentar zur Wilhelma Zum Wohl der Tiere

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Mit dem Affenhaus bekommen die Gorillas ein neues und größeres Zuhause in der Wilhelma – das hat für den Zoo in Stuttgart auch eine ethische Dimension, meint der StZ-Autor Erik Raidt.

Innengehege Gorillas Foto: Wilhelma 25 Bilder
Innengehege GorillasFoto: Wilhelma

Stuttgart - In manchen Dingen steckt von Anfang an der Wurm drin. Auf den Neubau der Menschenaffenanlage in der Wilhelma hat das bisher zugetroffen: Nichts war so konstant bei diesem Bauvorhaben, wie die Verzögerungen und Kostensteigerungen. Mal wurde dies mit dem Fund von Bombensplittern am Bauort begründet, mal mit der preistreibenden Konjunkturlage und dann wieder mit notwendigen technischen Anforderungen.

Am Ende müssen nun sowohl das Land als auch der Förderverein deutlich mehr bezahlen, und eine Frage drängt sich auf: War es den Aufwand wert oder hätte es auch eine Nummer kleiner getan?

Europaweit guter Ruf

Genau zum Zeitpunkt dieser Debatte veröffentlichen Tierschützer eine Studie, die aufzeigt, wie schlecht es um die Haltungsbedingungen von Menschenaffen in deutschen Zoos steht. Dabei reiht sich die alte Anlage in Stuttgart in ein wenig rühmliches Mittelfeld ein, sie ist fast 40 Jahre lang das Zuhause von Gorillas, Bonobos, Schimpansen und Orang Utans gewesen. Vor allem dank der Jungtieraufzuchtstation hat sich Stuttgart in dieser Zeit europaweit einen guten Ruf erarbeitet.

Nicht nur, aber auch vor diesem Hintergrund war es dringend notwendig, dass die Wilhelma vor Jahren den Neubau einer Affenanlage weit oben auf die Liste der Bauvorhaben gesetzt hat. Und es war vom Grundsatz her sicher vernünftig, das Projekt groß zu planen – und mit einer Qualität ausführen zu lassen, die einen langfristigen Werterhalt sichert.

Dem Artenschutz gerecht werden

Doch was folgt daraus für die Zukunft der Wilhelma? Die Gewissheit, dass sich der Zoo auf wenige Großprojekte konzentrieren muss – und im Gegenzug von manchen Tierarten Abschied nehmen sollte. Nur wenn eine Art mehr Platz bekommt, mehr Freiräume und Entfaltungsmöglichkeiten, kann ein Zoo auch künftig dem Artenschutz gerecht werden.

Es ist absehbar, dass es nach der jüngsten politischen Debatte über den Tierschutz im Zirkus in absehbarer Zeit auch eine kritischere Diskussion um ethische Aspekte der Tierhaltung in Zoos geben wird. Bei den Menschenaffen hat die Wilhelma gezeigt, dass sie in die richtige Richtung denkt. Dies ist im Interesse der Tiere und ihrer Besucher.

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1 KommentarKommentar schreiben

Unglaublich die 2te: Ich habe ja schon das neue Elefantengelände wegen seines BetonDesigns kritisiert, nun kommt der 2 Betonkasten in der Wilhelma. Das sieht furchtbar aus und wird auch durch bepflanzungen nicht schöner. Darf sich jetzt jeder BetonArchitekt in der Wilhelma austoben und das als Architektonische Meisterwerke hinstellen? Wie geht es mit der Wilhelma weiter, noch mehr Betonhallen? Es ist nicht nur damit getan das man den Artenschutz hochhält, nein man muss auch den Tieren ein schönes Umfeld schaffen. Das hat doch nicht mir Artgerecht zu tun. da muss ich nicht mehr in die Wilhelma gehn, wenn ich so räume sehen will, dann geh ich nicht in einen Zoooligsch- Botanischen Garten. Mal sehn ob mein Beitrag wieder von den Redakteuren der Stuttgarter Zeitung unterschlagen und nicht veröfftlicht wird.

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